In Basel wird gearbeitet, in Zug wird befohlen: Generika-Sparte von Novartis zieht nächstes Jahr um

Der Entscheid ist auf den ersten Blick erfreulich: Die Novartis-Generikasparte Sandoz behält ihren Sitz in Basel. Die Frage stellte sich seit vergangenem August, als Novartis sich entschied, Sandoz abzuspalten. Mittlerweile ist klar, dass Sandoz als eigenständiges Unternehmen weitergeführt wird. Der Börsengang ist in der zweiten Jahreshälfte geplant.

Konkret wird Sandoz Mitte nächsten Jahres seine Büros vom Novartis Campus ins Bürogebäude Elsässertor gleich neben dem Bahnhof SBB zügeln. Der Bau der Architekten Herzog & de Meuron beheimatete zunächst SBB Cargo und zuletzt Roche. Mit dem Zusammenzug der Aktivitäten in den Türmen am Hauptsitz zog Roche wieder aus dem Elsässertor aus.

Von den weltweit rund 20’000 Sandoz-Angestellten werden rund 200 am Basler Hauptsitz arbeiten. Sandoz-Chef Richard Saynor ist voll des Lobes für den Standort: «Ich freue mich, mitteilen zu können, dass Basel weiterhin unser Zuhause sein wird». Dies sei ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, ein unabhängiges Unternehmen zu werden. Und weiter: «Unser geplanter Standort im Herzen der Stadt wird es uns ermöglichen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das unseren geschäftlichen Bedürfnissen entspricht und unsere Identität, Kultur und Werte widerspiegelt.

Sandoz-Chef Richard Saynor.

Sandoz-Chef Richard Saynor.

Bild: zvg

Wo zahlt Sandoz künftig Steuern?

Doch ist die Botschaft tatsächlich uneingeschränkt positiv? Ein Satz im zweitletzten Absatz der Medienmitteilung lässt aufhorchen. Nicht nur die Schweizer Vertriebsgesellschaft, sondern auch die Sandoz Group AG werde im zugerischen Rotkreuz bleiben. Sie tritt als Holding der gesamten Sandoz Gruppe auf. Muss sich also Basel mit den Arbeitsplätzen des neuen Generikakonzerns begnügen, während Zug mit der Muttergesellschaft die Steuereinnahmen abschöpfen wird?

Das Novartis-Gebäude auf dem Suurstoffi-Areal im zugerischen Rotkreuz.

Das Novartis-Gebäude auf dem Suurstoffi-Areal im zugerischen Rotkreuz.

Bild: Patrick Hürlimann

Fakt ist, dass die Sandoz Group im Januar 2022 in Basel gegründet wurde. Bereits im Dezember desselben Jahres wurde der Sitz ins zugerische Risch verlagert. Die Gemeinde Risch besteht aus den vier Ortschaften Risch, Buonas, Holzhäusern und Rotkreuz.

Lediglich die Sandoz AG hat ihren Sitz in Basel. In deren Verwaltungsrat sitzt das Management von Sandoz, angeführt von Konzernchef Richard Saynor. Der Verwaltungsratspräsident von Sandoz, der Kanadier Gilbert Ghostine, ist lediglich bei der Sandoz Group im Zuger Handelsregister eingetragen.

Novartis lässt sich zur Frage des Sitzes der Sandoz Group nichts entlocken. Das Unternehmen habe sich bereits im letzten Jahr für den Standort Rotkreuz für die nicht operative tätige Holding-Gesellschaft entschieden.

Mit der OECD-Reform wird es noch komplizierter

Wie Sandoz künftig in der Schweiz besteuert wird, fällt unter das Steuergeheimnis. Das Basler Finanzdepartement darf denn auch nicht sagen, mit welchen Steuereinnahmen der Kanton rechnet. Als Faustregel lässt sich sagen: Je grösser der Fussabdruck eines Unternehmens in einem Kanton, desto höher die Besteuerung. Im Fall von Sandoz ist also vor allem die Lohnsumme entscheidend, weil das Unternehmen in der Schweiz weder viel Forschung noch Produktion leistet. Basel wird sich also sicher ein gewisses Stück abschneiden können.

Nochmals komplizierter wird die Ausgangslage, sollte die OECD-Steuerreform in gut zwei Wochen von der Stimmbevölkerung angenommen werden. Bei einem Ja müssten Unternehmen mit einem Umsatz von über 750 Millionen Euro eine Gewinnsteuer von mindestens 15 Prozent bezahlen. Länder, die darunter liegen, müssen eine Ergänzungssteuer erheben, um 15 Prozent zu erreichen. Tun sie das nicht, können andere Länder die Differenz abschöpfen.

Umgekehrt muss die Schweiz prüfen, ob diese Differenz in anderen Ländern besteht. Dies fällt in die Verantwortung jenes Kantons, in dem sich die oberste Konzerngesellschaft einer Firma, die sogenannte Top-Holding, befindet. Im Falle von Sandoz wäre das der Kanton Zug. Laut Steuerexperten könnte Sandoz ein Interesse haben, dass Zug in der Verantwortung steht und nicht in Basel-Stadt, weil die Zuger Steuerbehörden in solchen Belangen mehr Erfahrung haben.

Ein Experte ist sich in einem Punkt aber sicher: Novartis dürfte heute allein als Konzern mit Pharma und Generika in Basel-Stadt mehr Steuern bezahlen, als künftig Novartis und Sandoz als zwei Firmen getrennt bezahlen werden.

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